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Unsicherheit beim neuen Busfahrplan

Kritik aus Fürsteneck am neuen ÖPNV-Konzept – Nutzer müssen sich umstellen, aber es gibt Verbesserungen

FahrplanänderungAm 1. September soll es losgehen mit dem neuen, besseren Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), den der Landkreis seit Monaten vorbereitet und den Bürgern nicht nur mehr, sondern auch schnellere (Bus-)Verbindungen verspricht. Allerdings: Mit welchem Bus sie ab der nächsten Woche dann tatsächlich fahren werden, um zur Arbeit zu kommen, das verunsichert offenbar einige Fürstenecker aber noch sehr.
Gerade in der Gemeinde, die am Rand des FRG-Kreises liegt und wo auch traditionell die Verbindung mit Passau – sei es nun für Schüler oder Arbeitnehmer – stärker ist als im übrigen Landkreis FRG, stehen die ÖPNV-Nutzer momentan vor einem Problem. Wer bisher mit dem Regionalbus Ostbayern (RBO) direkt nach Passau fahren konnte, wird sich umstellen müssen. Inzwischen sind die Fahrpläne des Landkreises FRG auch online einzusehen. Aber irritierend ist für einen Fürstenecker Bürger, der sich an die PNP gewendet hat, dass bei den Fahrplänen auf der Landkreisseite online bis zum Wochenende noch Buslinien der RBO (z.B. 6110, 6118) aufgeführt sind, die laut Fahrplanänderungen der RBO im Internet ab 1. September wegfallen bzw. geändert werden (siehe dazu auch Kasten unten).
Wie dazu Oberregierungsrätin Judith Wunder vom Landratsamt FRG auf PNP-Nachfrage mitteilt, sind die neuen Linien ab 1. September bereits konzessioniert, „es werden aber noch vereinzelt Fahrplanänderungen vorgenommen, insbesondere um die Umläufe zu optimieren“. Das Landratsamt werde von der Regierung über diese minimalen Fahrplananpassungen im Regelfall nur in Kenntnis gesetzt. Eine verwaltungsrechtliche Einflussmöglichkeit sei hier leider nicht gegeben. „Etwaige Korrekturen können unter Umständen aber auf dem Verhandlungsweg mit dem Verkehrsunternehmer vereinbart werden“, so Wunder.
Die RBO jedenfalls informiert im Internet bereits seit längerem über die Fahrplanänderungen aufgrund des neuen FRG-Konzepts. Demnach entfallen u.a. die Linien 6118, 6122, 6123. Weil ihn der Wegfall der Linie 6118 (Passau-Grafenau-Passau) selbst betrifft, hat sich der Fürstenecker, der auf den Bus angewiesen ist, an die PNP gewendet. Für die Linien 6118 und 6123 wurde der RBO von der Regierung zwar tatsächlich keine Konzession mehr erteilt, informiert dazu Judith Wunder. Aber nur, weil ein Konkurrenzunternehmen (Verkehrsunternehmen Brunnhölzl) in den Bündeln 1 (Ilzer Land Ost) und 4 (Wolfsteiner Waldheimat) einen Antrag für den kompletten Verkehrsraum abgegeben hat. Daneben wurde die Konzession der Linie 6122 um ein Jahr (1. September 2017 bis 31. August 2018) verlängert.
Die bisherige Linie zwischen Passau und Grafenau werde von Schülern wie Arbeitstätigen genutzt, weiß der Pendler aus Fürsteneck. Künftig müssten Fahrgäste aus dem Raum Fürsteneck mit dem Zubringerbus nach Röhrnbach fahren und dort in den Schnellbus nach Passau umsteigen. Auf der Fahrt von Passau nach Fürsteneck geht es dann ebenfalls zuerst wohl nach Röhrnbach und von dort über Wilhelmsreut nach Fürsteneck.
Gravierend für Fürstenecker ist die Neugestaltung der RBO-Linie 6110, die seinen Aussagen zufolge bisher einige Berufstätige, aber vor allem Schüler und Berufsschüler nutzten. Diese Linie führt von Fürsteneck über Prag, Hutthurm, Ruderting und die Ries nach Passau mit einer Haltestelle am Gymnasium Freudenhain. Diese Linie verkehrt in Richtung Passau ab 1. September nur noch zweimal täglich, um 6.28 und 14 Uhr, und von Passau nach Fürsteneck dreimal (13.15, 16.20 und 17.15 Uhr).
Bisher nutzten etliche Berufstätige diese Linie von Passau in Richtung Freyung am Abend, insbesondere zur Abfahrtszeit in Passau um 18.15 Uhr. Für Schüler, die das Gymnasium Freudenhain besuchen, werde sich die Frage stellen, ob sie bei Weiterbenutzung dieser RBO-Linie ihre Schülerkarte bekommen oder die Fahrt bezahlen müssen. Wenn sie zukünftig jedoch nach dem neuen FRG-Konzept auf der B 12 nach Passau fahren, müssen sie von der Stadt aus zum Gymnasium Freudenhain gelangen, „sie sind also gewiss länger als bisher unterwegs“.
Als „vage“ bezeichnet der Pendler die Infos, die man seitens der Politik über das neue Konzept bekommen habe. Schüler, Berufsschüler und Berufstätige, die nach Passau müssen, oder auch nach Ruderting, Tiefenbach oder Patriching bedeute es, sie müssen zukünftig mehrmals umsteigen, um an ihren Zielort zu kommen. Und: „In meinem Fall etwa kommt es zum Wegfall von Fahrgemeinschaften mit Kollegen aus Ruderting, die mir eine Zeitersparnis von einer Stunde (!) brachten.“
Schüler würden sich aufgrund ihrer Jugend wohl rasch an die neuen Gegebenheiten anpassen können, meint der Fürstenecker, „wobei ich allerdings trotzdem für Schüler, die in Passau zur Schule gehen, keine Verbesserungen sehen kann – insbesondere nicht für Fürstenecker, wenn sie vor dem Umstieg auf den Schnellbus in die Gegenrichtung nach Röhrnbach gekarrt werden“.
Ältere und schwerbehinderte Menschen bräuchten ausführlichere Informationen und vor allem auch Zeit, um sich an die neue Situation anpassen zu können. Er selbst sei durch ein Augenleiden gezwungenermaßen seit sieben Jahren Busnutzer. „In dieser Zeit habe ich nahezu tagtäglich die Erfahrung gemacht, wie schwer sich der genannte Personenkreis, aber auch Touristen und Wanderer, die den Bus nutzen wollen, oft tun, die richtige Buslinie ausfindig zu machen, und auf die Hilfe erfahrener Busnutzer angewiesen sind. Insbesondere dann, wenn der Busfahrer scheinbar nicht ortskundig und/oder der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig ist, wie ich es des Öfteren erlebt habe.“ Ob das mit dem neuen FRG-Konzept, das ihn an die Kleinstaaterei vergangener Jahrhunderte erinnere, leichter wird, „steht noch in den Sternen“, glaubt der Fürstenecker.
Das freilich will man im Landratsamt FRG so nicht stehen lassen. Judith Wunder betont, dass am neuen Fahrplanangebot seit mehr als drei Jahren gefeilt worden sei. „Experten aus unserem Hause, Busunternehmen und renommierte Planungsbüros haben die Verkehrsströme analysiert, Konzepte entwickelt und einen breiten Erfahrungsaustausch mit Vertretern aus Politik, Verbänden, Schulen gesucht. Das Ergebnis findet sich im Linienbündelungskonzept, das am 28. Juli 2016 durch die politischen Gremien des Landkreises beschlossen wurde.“
Nach dem Beschluss über das Linienbündelungskonzept wurden die Unternehmer aufgefordert, diese ambitionierten Vorgaben in konkrete Fahrpläne umzusetzen. „Denn niemand kennt den Nahverkehr besser als die Busunternehmen, die seit Jahrzehnten in bewährter Weise die Verkehrsleistung erbringen“, sagt Wunder. Mehrere Busunternehmen hätten Konzepte entwickelt, wie man den Nahverkehr innerhalb der Gemeinden des Landkreises und von und nach Passau verbessern kann und diese Konzepte der Regierung von Niederbayern zur Entscheidung vorgelegt. Und die Regierung – als unabhängige Stelle entscheidet sie über das beste Verkehrsangebot für die Allgemeinheit – habe sich Ende März 2017 für die Fahrpläne der Firma Brunnhölzl entschieden.

INFO-TELEFON
Hilfe bei Fragen rund um das neue Verkehrskonzept bietet die Mobilitätszentrale, die der Landkreis extra eingerichtet hat. Unter 08551/57319 und 08551/57320 geben Mitarbeiterinnen des Landratsamtes Auskunft über die neuen Reisemöglichkeiten. Gleichzeitig sind die neuen Fahrpläne auf der Internet-Seite des Landratsamtes veröffentlicht und wurden im Vorfeld an die Gemeinden versandt. Die Schulen im Landkreis wurden bereits mit aktuellen schulbezogenen Fahrplänen informiert.

Was die Preise angeht, so wird laut Auskunft aus dem Landratsamt das verbesserte Fahrtenangebot begleitet durch eine offensive Preispolitik: „Denn – entgegen dem allgemeinen Trend – liegen die Fahrpreise unter den heutigen und werden von neuen Ticketangeboten ergänzt“, heißt es in der Mitteilung.

Bildunterschrift:

Der RBO-Bus  der Linie Passau-Perlesreut-Grafenau an der Haltestelle Stegbauer in Fürsteneck. Mit dem neuen ÖPNV-Konzept des Landkreises FRG werden sich ab 1. September die Verbindungen ändern.

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